Am zweiten Testtag in Barcelona fuhren einige Teams ganz schweres Gerät auf. Renault präsentierte die bereits von Red Bull bekannte Haifisch-Flosse auf der Motorabdeckung und Honda führte die als Elefanten-Ohren bekannt gewordenen Nasenflügel aus. Auch BMW Sauber hatte wieder seine Wikinger-Hörner auf die Nase gepackt. Die Ferrari-Nase mit den Löchern war angesichts der ausladenden optischen Reize der Konkurrenz beinahe unscheinbar.
Am Ende war es dann beinahe ein wenig ironisch, dass die Tages-Bestzeit erreicht wurde, als eines der aerodynamisch auffälligen Teile nicht mehr am Auto war. Rubens Barrichello hatte die Nase mit den Ohren weggepackt und fuhr damit eine erste schnelle Runde. Kurz darauf packte er noch Slicks auf das Auto und wurde noch einmal schneller. Seine Bestzeit stand am Ende bei 1:18.928 und lag damit knapp sechs Zehntel über Felipe Massas Zeit vom Montag. Wie viel die Waage nach der Fahrt angezeigt hat, ist nicht überliefert.
Aber die Zeiten waren, wie bei Tests üblich, ohnehin nebensächlich. Denn sonst müsste man annehmen, dass Honda die Konkurrenz einfach so einmal um rund acht Zehntel hinter sich gelassen hat. Und die Spitze dieser Konkurrenz bildete zudem noch Giancarlo Fisichella, der seine beste Runde auch mit Slicks gefahren hatte. Bereits 1,3 Sekunden fehlten Felipe Massa im Ferrari auf die Spitze - er war nur auf Rillenreifen unterwegs. Bei den Roten hatte man sich am Dienstag aber ohnehin auf eher längere Runs konzentriert, weswegen am Ende auch satte 113 Runden zu Buche standen. Zudem wurden noch Boxenstopps geübt.
Geholfen hatte dem Brasilianer dabei auch der Umstand, dass der Tag nur von einer roten Flagge gestört wurde. Die hatte Fernando Alonso verursacht, der sich im Laufe des Nachmittags in Kurve drei gedreht hatte und das Auto abstellen musste. Ein weiteres Mal stand eine rote Flagge kurz bevor. Am Honda von Barrichello stieg Rauch auf, doch der Brasilianer konnte seinen Boliden irgendwie noch an die Box schleppen, womit die Strecke weiter befahrbar war.
Zeitlich reihte sich David Coulthard hinter Massa ein und ihm folgte im Abstand von sechs Hundertsteln Lewis Hamilton, der ebenfalls nur mit Rillenreifen gefahren war. Dabei hatte sich der Brite auf neue Aero-Teile und auch die Abstimmung für den Grand Prix in eineinhalb Wochen konzentriert. Alonso schaffte trotz seines Ausritts 118 Runden und beendete den Tag auf Position sechs - auch nach einem Verzicht auf Slicks. Nico Rosberg, Nick Heidfeld (der Vierte im slickfreien Bund) und Timo Glock beendeten den Tag auf den Positionen sieben bis neun in der Zeitenliste - was bei Tests aber eben nicht so viel zu bedeuten hat. So werden auch Michael Schumachers Zeiten am Mittwoch nicht viel zu bedeuten haben, soll der siebenfache Weltmeister doch die 2009er-Aerodynamik ausführen
Die Vorfreude bei Schumacher stimmt aber so oder so. "Ich freue mich sehr, denn gerade wenn man nur ab und zu in ein Formel-1-Cockpit steigt, ist der Fahrspaß besonders groß", ließ er auf seiner Website wissen. Auch von dem mittlerweile bekannten Motorradsturz wird er sich nicht behindern lassen. "Neulich hatte ich mal einen blauen Zeh, aber mehr ist bisher nicht passiert. Nicht mal beim Fußball hat das gestört", meinte er und fügte an: "Und auch gestern habe ich keinerlei Blessuren davon getragen. Mir ist klar, dass Motorradfahren nicht ganz risikofrei ist, aber ich versuche diese Risiken soweit wie möglich zu minimieren. Ansonsten halte ich es wie in der Formel 1: Man kann nicht alle Risiken ausschalten." Neben Schumachers neuerlichem Einsatz wird am Mittwoch auch der neue Toro Rosso sein Testdebüt geben.
Für Glock ist der Test hingegen zu Ende, doch er nannte die vergangenen beiden Tage sehr positiv. "Wir haben am Morgen weiter am Setup für den Spanien Grand Prix gearbeitet und Daten von diversen Systemen gesammelt. Wir gehen in die richtige Richtung und hoffentlich hilft uns das nächste Woche", sagte er. Bei den Slicks will er hingegen noch weiter Informationen sammeln, bevor er Genaueres dazu sagen kann. "Im Moment bin ich auf die aktuelle Situation konzentriert, vor allem auf das Rennen am nächsten Wochenende", betonte er. Toyota Testteam-Manager Gerd Pfeiffer verriet noch, dass neben dem Setup auch an Aufhängung und Stoßdämpfern gearbeitet wurde, bevor es an die Slick-Tests ging. "Wir haben alles geschafft, was wir geplant hatten und haben wichtige Daten gesammelt." Und darauf kommt es bei einem Test dann an.
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Foto: Sutton